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do, 05.11.2009
endlosschleifen. leben im loop
Eröffnung der Ausstellung 19 Uhr

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apollo 13

SANDRA FILIC
Happy Birthday !, 2007

Happy Birthday ! thematisiert Erinnerungen der Künstlerin an ihren sechsten Geburtstag in Kroatien. Ein altes Foto zeigt sie als Mädchen neben ihrer Geburtstagstorte an einen Tisch gelehnt. Statt bunten Geburtstagsblumen steht ein vertrockneter Kaktus am Tisch. Dicke, weiße Haushaltskerzen ersetzen die Geburtstagskerzen am Kuchen. Diese Torte baut Sandra Filic für die Installation in Realität erneut nach. Aus süßem Teig wird jedoch Beton, aus Zuckerguss wird Gips, bekrönt von mechanisch flackernde Elektrokerzen .Der schöne Geburtstag ist unheimlich geworden. Durch die Wahl der Materialen ergeben sich Brüche in der unbeschwerten Erinnerung. Sie schaffen eine Atmosphäre, die deutlich macht, dass der sechste Geburtstag vor allem auch eine Zeit des Mangels in Kroatien war, den man durch Improvisation wett zu machen wusste.

Happy Birthday ! zählt zu einer Reihe von Arbeiten, die Erinnerungen an persönliche Erfahrungen und Erlebnisse ins Heute transportieren und die Funktionsweise von Erinnerung befragen. Für ihre Diplomarbeit baute Sandra Filic, ebenfalls anhand eines Fotos, einen Schneemann ihrer Kindheit nach, der unter einem Kältezelt gefroren gehalten wurde. So vergänglich wie das Material ist auch die Erinnerung. In einer fast romantischen Aktion versucht sie diese zu konservieren und demonstriert welcher Kraftaufwand notwendig ist, flüchtige Erinnerung am Leben zu erhalten. Für Traumkleider läßt Sandra Filic von ihr als Kind für eine Ankleidepuppe gezeichnete Kleider in Wirklichkeit nachschneidern. Der Kindertraum geht endlich in Erfüllung, muss sich damit aber auch der Realität stellen.

In der Installation Happy Birthday ! öffnet Sandra Filic eine Bruchstelle, die auch für unliebsame Erinnerungen an die Kindheit, die man sonst nur allzu gerne verdrängt, durchlässig wird. Die persönliche Erfahrung wird in einem größeren Rahmen politisch und gesellschaftlich lesbar und verweist auf die e ntbehrungsreichen Lebensumstände in einem sozialistischen Staat. Nicht zuletzt ist Erinnerung immer auch ein wenig Illusion, der man –wie den Elektrokerzen mit dem Schalter - schnell das Licht ausknipsen kann.


Sandra Filic, geboren 1974 in Nasice (Kroatien), studierte bis 2007 an der Akademie der Bildenden Künste in München bei Asta Gröting und Magdalena Jetelova. Ausstellungen: The Final Countdown, Expedition Medora IV, Galerie Steinle 2007, Expedition Medora III, Kunstarkaden München 2007, Kaprow_Words, Projekt Klasse Jetelova, Haus der Kunst, München 2006, Müchen-Mexico-City, Galerie El Pasaguero, Mexico City 2005, Frei Inc., Galerie Modern Studio, Freising 2005
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